Hippo1233’s Weblog

Mein Senf zu allem möglichen, Meinung hat nur, wer diese auch äußert!

Tobe, zürne, misch dich ein

Verfasst von hippo1233 am 12 März, 2009

Das kann ich gar nicht so viel wie es nötig wäre, wenn ich die Nachrichten über dieses schreckliche Attentat in Winnenden mitbekomme. Es ist schrecklich, ohne  Frage, und alle sind zu Recht zutiefst betroffen: von Köhler angefangen bis zu der Hebamme, die bei der Entbindung half – gut, die haben die Medien noch nicht gefunden, das ist aber nur eine Frage der Zeit.

Ansonsten drängt sich jeder, vom Mitschüler bis zum Tennislehrer, vor irgendeine Kamera, um zutiefst betroffen dreinzuschauen und sich selbst darzustellen.

Da wird in München sogar der Starkbieranstich verschoben, ein Traditionsereignis mit langer Geschichte, ca. 600 Adabeis ( für nicht des Bayrischen Mächtige: Das sind die Leute, die auch dabei kurz adabei sind  und sich für mehr oder weniger wichtig halten ). Die Liste derer ist lang, von Moosi über das Bobbele samt Exverlobter bis zur Roberto Blanco Tochter und der Ex von Dieter Bohlen gibt es da viele.

Und unsere Herren Volksvertreter haben natürlich erkannt – wenn sie bei politischen Entscheidungen auch mal so schnell wären – dass es , denn es ist ja Superwahljahr, viel mehr hermacht, sich bei irgendeiner der blitzschnell angesetzten Trauerfeiern zu zeigen als beim Starkbieranstich, wo man eventuell auch noch als Zielscheibe für sauer verdienten Spott herhalten muss.

Statt das sich diese Spezies mal fragt, wer schuld an solch einer Misere ist: es gibt da viele Gründe, vom Wertewandel in der Gesellschaft über die reißerische Berichterstattung und die unmenschliche Sozialpolitik und das Wertesystem der Gesellschaft, in der wie beim Sport nur das „Mehr, mehr, mehr!“ zählt und nicht mehr das Menschliche nein, unmenschlich wird der Nachwuchs in ein Schulsystem gezwungen, wo Abitur gemacht werden muss – ohne Rücksicht ob der jugendliche das kann! – egal, was dabei rauskommt.

Nicht mehr wie früher, wo noch die Devise galt “Hauptsache was Gescheites, was einen ernährt“ und wo es noch so etwas wie Menschlichkeit gab.

Aber heute, wo nicht mehr die Leute Lehramt studieren die sich dazu berufen fühlen, sondern man es aus der Not geboren macht - irgendwas muss es ja sein, und das ist ja doch was Sicheres. Ich will jetzt nicht gegen die Lehrer im allgemeinen hetzen, aber die meisten haben doch innerlich schon längst kapituliert, auch weil sie nicht mehr mir der Entwicklung mitkommen, denn ihre Schüler sind, wenn sie interessiert sind, in vielen Dingen durch das Internet informierter als wir, außerdem müssen sie immer mehr Erziehungsmaßnahmen übernehmen, die eigentlich Sache der Eltern wären, diese können aber wegen der Überforderung durch die Arbeit und anderes nicht mehr.

Und das ist das Ergebnis einer unsozialen Politik, die in der gegenwärtigen globalen Finanzkrise ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat und die noch lange nicht am Ende ist.

Aber der deutsche Michel lässt es sich bereitwilligst mit sich machen, im Gegenteil,er glaubt den Mist, der ihm tagtäglich von den Medien – allen voran von den angeblich umsonst sendenden Privatsendern - serviert wird, und er zahlt noch teuer Geld dafür. Wieso zahl ich dafür, fragt jetzt der eine oder andere blauäugig, nicht bedenkend, dass die Sender alle durch Werbung finanziert werden, und da habe ich schon oft gehört: Das zahlen doch die Firmen die die Produkte herstellen!“ Nur: woher haben die ihr Geld? Vom Verkauf ihrer Produkte - und die werden beworben, bis sie auch der Dümmste kauft. Da werden jetzt Ohrsprays beworben. Kein Mensch weiß, wozu man die braucht, aber die Werbung suggeriert einem, es wäre überlebenswichtig. Beispiel Arzneimittel: die am meisten verkauften Grippeschutzmittel sind Kombipräparate, die eigentlich unwirksam und zum Teil schädlich sind. Da gibt es ein Mittel, das enthält 18 % Alkohol, soviel wie Portwein, Doxylamin, ein stark sedierendes Antihistaminikum aus der Gruppe der Ethanolamine, Ephedrin, ein Phenylethylamin-Alkaloid, das in Pflanzen der Gattung Ephedra  enthalten ist, Dextromethorphan, ein mit Morphin und Codein verwandter Hustenblocker sowie Paracetamol, eine chemische Verbindung, schmerzstillend und fiebersenkend und das alles zusammen bei Überdosierung kann durchaus toxisch wirken, aber es ist der Marktführer.

Man kauft und kauft und denkt sich nichts dabei, weil es ja so herrlich bequem ist.

Und so sitzt man dann vor dem Fernseher, schüttelt den Kopf, sagt „Nein, bei uns gibt es das Gott sei Dank nicht!“ und geht zur Tagesordnung über. Nach zwei Tagen wird dann wieder eine andere Sau durchs Dorf getrieben, oder es gibt Deutschland sucht den Superstar“, und die Welt ist wieder in Ordnung.

Das ist sie aber beileibe nicht, sondern animiert durch die Berichterstattung plant schon der nächste Gestörte seinen Amoklauf. Er will es noch besser machen, noch mehr Tote, Sendezeit und posthume Aufmerksamkeit auf sich konzentrieren.

Da waren die alten Römer mit ihrer Damnatio memoriae Politik besser: es bedeutete die völlige Auslöschung des Täters für die Nachwelt. Die Namen von zu verachtenden oder verhassten Personen wurden aus den Annalen entfernt, alle verfügbaren Daten etc. wurden gelöscht. Zukünftig wurde es tunlichst vermieden, den Täter betreffende Details zu veröffentlichen. Aber da gab es auch noch nicht die Hydra der Medien, die mit so einer Politik natürlich keine Quote und noch schlimmer keine Einnahmen erreichen konnten.

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